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Konsequenzen der steigenden Papier- und Energiepreise für Unternehmen der Druckindustrie

Der Anstieg der Papier- und Strompreise belastet die Druckbranche enorm. Die bisher erfolgte Preiserhöhung der Druckereileistungen war da nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aktuell werden von den Druckunternehmen rund 50 Prozent der gestiegenen Kosten an die Kunden weitergegeben. Um zukünftig am Markt bestehen zu können, müssen die Preise weiter erhöht, oder die internen Prozesse optimiert und kostenschonender gestaltet werden. Ideal wäre eine Kombination aus beidem.

Seit Beginn des Jahres 2021 begleiten unsere Branche steigende Preise. Neben den steigenden Energiepreisen, die jede Branche gleichermaßen betreffen, sind das insbesondere die steigenden Papierpreise. Die Gründe dafür sind bekannt — Logistikengpässe, Kapazitätsabbau in den Papierfabriken, fehlendes Altpapier für den Recyclingprozess, geänderter Produktionsfokus in den Papierfabriken (weg von grafischem Papier hin zu Pappe) — und wurden an anderer Stelle schon ausgiebig beleuchtet. Doch die Gründe für den Anstieg der Preise zu kennen ist das Eine, der entscheidende Aspekt ist jedoch, wie dadurch die Kostenstruktur beeinflusst wird und wie Druckunternehmen damit umgehen.

ABB 1 Erzeugerpreisindex

Abbildung 1 zeigt die Preisentwicklung für Druckereileistungen, Papier und Pappe sowie Strom. Die Erzeugerpreisindexe sind für den Zeitraum vom Januar 2021 bis Februar 2022 dargestellt. Die Basis der Indexe ist das Jahr 2015. Der Strompreis ist innerhalb der dargestellten 14 Monate um 60 Prozentpunkte gestiegen. Seit März 2021 steigt der Papierpreis kontinuierlich an, während die Preise für Druckereileistungen nahezu konstant geblieben sind. Erst mit Beginn des Jahres 2022 reagiert die Druckindustrie auf den nochmal deutlich gestiegenen Papierpreis. Im Februar 2022 betrug der durchschnittliche Preis für Papier und Pappe circa 45 Prozentpunkt mehr als zu Beginn des Vorjahres, die Preise für Druckereileistungen sind im gleichen Zeitraum lediglich um neun Prozentpunkte gestiegen.

Können Druckunternehmen den gestiegenen Rohstoffpreisen durch Preissteigerungen ausreichend entgegenwirken?

Mit Blick auf die Bedeutung von Strom und Papier im Produktionsprozess einer Druckerei wird deutlich, dass die Kosten der Preissteigerung die erhöhten Preise seitens der Druckereien weit übersteigen. Der Anteil des Umsatzes der jährlich für Energiekosten aufgewendet wird, liegt bei knapp 3 Prozent. Die Steigerung des Energiepreises um 60 Prozentpunkte, führt zu einem Anstieg dieses Wertes um circa 1,8 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent. Betrachtet man den Papierpreisanstieg, ist der zwar etwas weniger stark ausgefallen, übt dafür aber einen deutlich größeren Effekt auf die Kosten einer Druckerei aus. Deren durchschnittliche Aufwendungen für Lieferungen und Leistungen liegen bei 45 Prozent im Verhältnis zum Umsatz. Von diesen 45 Prozent entfallen ca. 75 Prozent auf Papier. 34 Prozent des Umsatzes wird also für den Kauf von Papier verwendet. Der Preisanstieg des Papiers um 45 Prozentpunkte führt dazu, dass der Anteil des Umsatzes, der für den Einkauf von Papier aufgewendet wird, um 15 Prozentpunkte steigt.

Der Anstieg des Strom- und Papierpreises hat dazu geführt, dass bei gleichbleibendem Umsatz die Kosten um 17 Prozentpunkte gestiegen sind. Dem gegenüber steht eine Preiserhöhung der Druckereileistungen um 9 Prozentpunkte. Die Differenz dieser beiden Werte wird sich negativ auf das Betriebsergebnis jeder Druckerei auswirken und in den meisten Fällen zu Verlusten führen.

Doch womit lässt sich diese Differenz erklären? Sind die Kunden nicht bereit höhere Preise zu akzeptieren? Nehmen die Druckereien diese Differenz billigend in Kauf? Fehlt der detaillierte Kenntnisstand über die Auswirkungen der Preisanstiege auf sämtliche Produkte im Detail? Die folgenden Grafiken veranschaulichen, dass die Akzeptanz für höhere Preise für die Druckereileistungen gegeben ist.

ABB 2 Herbstprognose

 

ABB 3 Herbstprognose Fachverlage

Die Abbildungen 2 und 3 sind Ausschnitte aus der aktuellen Ausgabe der jährlich durchgeführten Herbstprognose von Apenberg & Partner. Abbildung 2 verdeutlicht, dass knapp 75 Prozent der Druckunternehmer davon ausgehen, ihre Absatzpreise in 2022 anheben zu können. Ein Novum in den knapp 20 Jahren der Branchenprognose zeigt Abbildung 3: In 2021 erwarteten die (Fach-)Verlage, eine Kernkundengruppe der Druckindustrie, mehrheitlich steigende Preise seitens der Druckereien für das Jahr 2022.

Das Marktumfeld für eine Erhöhung der Abnehmerpreise seitens der Druckunternehmen ist gegeben und alternativlos. Der Anstieg der Preise für Druckereileistungen zeigt, dass mit Beginn des Jahres 2022 damit begonnen wurde, die gestiegenen Herstellkosten weiterzugeben. Eine Basis für erfolgreiche Preisverhandlungen sowie Preisnachverhandlungen, ist die Kenntnis der eigenen Produkt-Deckungsbeiträge. Es besteht jedoch das Risiko, dass nicht 100 Prozent der Preissteigerungen an den Kunden weitergegeben werden können. Gründe dafür können die Preissensibilität der Endkonsumenten sein oder die Gefahr, dass bei einem zu hohen Preisniveau der Konsum von Druckprodukten durch digitale Alternativen substituiert wird.

Neben der Weitergabe der gestiegenen Kosten, bieten auch die internen Prozesse einiges Potenzial der Kostenreduzierung. Eine effiziente Gestaltung der internen Prozesse und der Produktion führen zu deutlich reduzierten Herstellkosten. Anregungen dazu, welche Potenziale in diesen Bereichen innerhalb einer Druckerei gehoben werden können, finden Sie in unseren bereits veröffentlichen Blogbeiträgen. So kann z.B. ein professioneller Einkauf helfen, die Papierkrise besser zu managen. Einen gesamtheitlichen Ansatz zur Effizienzsteigerung bietet der Ansatz Integrated Print Factory.

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