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Branchenprognosen

In dieser neuen Rubrik finden Sie Branchenprognosen unserer Print Business Consultants zu den aktuellen Entwicklungen der deutschen Druckindustrie. Die hier dargestellten Statistiken werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert und können – unter Nennung von Apenberg & Partner als Urheber – für externe Veröffentlichungen genutzt werden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Herrn Dr. Johannes Warther.

Abbildung 1 fallen besonders zwei Faktoren auf: Erstens begann die Krise von 2009 bereits im vierten Quartal des Vorjahres 2008, während der Beginn der Covid-19 Krise in Q1 2020 liegt. Zweitens fällt auf, dass sich das BIP zum Ende des Krisenfolgejahres 2010 auf einen Wert über dem Krisenvorjahreshoch erholt hatte.

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Abbildung 2 zeigt, dass die Druckindustrie der Entwicklung des BIP in der Vergangenheit auch durch schwere Krisen gefolgt ist. Bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, dass der Einbruch zu Beginn der Krise in 2009 zeitgleich beginnt, in der Druckindustrie allerdings länger und tiefer einschneidet. Ebenso fällt auf, dass sich das BIP zum Ende des Krisenfolgejahres über das vorherige Höchstniveau erholt hatte, die Umsätze der Druckindustrie kommen zu diesem Zeitpunkt zwar in die Nähe des vorherigen Hochs, erreichen es aber nicht.

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Abbildung 3 zeigt den Verlauf von BIP und Umsätzen der Druckindustrie vor, während und nach der aktuellen Krise. Die Krise schlägt quasi zeitgleich im ersten Quartal 2020 ein und die Erholung Druckindustrie ist langsamer als die des BIPs.

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Abbildung 4 zeigt deutlich, dass die mit Abstand größte Zahl an Insolvenzen im Jahr 2009 stattgefunden hat. Die Insolvenz-Auswirkungen der Krise waren im Fall der Finanzkrise also direkt im selben Jahr spürbar, indem auch das BIP die wesentlichen Einschläge zeigt.

Anzahl Insolvenzmeldungen

Abbildung 5 Betrachtet man die Anzahl der Insolvenzanmeldungen im Monatsverlauf der Jahre 2009 und 2019 sowie im ersten Quartal 2020, zeigt sich ein verblüffendes Bild: Gegenüber dem Vorjahr 2019 (graue Linie) geht der Trend der Insolvenzanmeldungen in 2020 zunächst zurück (orangene Linie).

Anzahl Insolvenzmeldungen 5

Erläuterung zur Branchenstatistik

Die Druckindustrie hat 2019 einen Produktionswert von 13,7 Mrd. Euro (i) erreicht. Oder doch 15,7 Mrd. Euro (ii) ? Beide Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt (Destatis), beide sind am selben Tag und zur selben Uhrzeit abgerufen, beide betreffen die Druckindustrie – doch welcher Wert trifft zu?

Das hängt zentral davon ab, wie Sie die Druckindustrie definieren und in der Folge, welche Branchensegmente (im Destatis-Deutsch „Meldenummern“) Sie in die Auswertung einbeziehen.

Dazu muss man zunächst einmal verstehen, wie die hier relevante Statistik von Destatis aufgebaut ist. Die sogenannte Statistik zur „Produktion des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden“ verwendet ein Klassifikationssystem nach Nummern. Die Druckindustrie ist darin als Element der Güterklasse 18 („Druckerzeugnisse, bespielte Ton-, Bild- und Datenträger“) erfasst. Unterhalb dieser Klasse existieren die Wirtschaftszweige 18.1 (den Druck betreffend) und 18.2 („Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern“). In der Statistik zur Produktion des Verarbeitenden Gewerbes existiert unterhalb des Wirtschaftszweiges 18.1 eine weitere Aufteilung in unterschiedliche Meldeklassen. Je nach gewähltem Detaillierungsgrad wird hier mit bis zu neunstelligen Meldenummern gearbeitet. So lassen sich zum Beispiel im Offsetverfahren hergestellte Verkaufskataloge (Meldenummer 1812 12 303) von solchen unterscheiden, die im Tiefdruck (Meldenummer 1812 12 301) oder im Digitaldruckverfahren (Meldenummer 1812 12 308) hergestellt sind.

Doch wie entsteht daraus die Diskrepanz zwischen 13,7 und 15,7 Mrd. Euro – immerhin eine Abweichung um 2 Mrd. Euro bzw. 15 Prozent!? Ganz einfach: Folgen Sie der Klassifizierung des Statistischen Bundesamtes und definieren Sie die Druckindustrie als sämtliche Meldenummern des Wirtschaftszweiges 18.1, erhalten Sie für 2019 einen Produktionswert in Höhe von 13,7 Mrd. Euro.

Allerdings haben Sie dann einige Meldenummern nicht einbezogen, die historisch bedingt, in anderen Wirtschaftszweigen erfasst werden (oder wurden). Wie steht es zum Beispiel um das Marktsegment der Faltschachtelproduzenten? Oder das Marktsegment Etikettendruck? Beide sind nicht im Wirtschaftszweig 18.1, sondern im Wirtschaftszweig 17.2 erfasst. Addiert man nun den Produktionswert für „andere Faltschachteln und -kartons aus Karton“ (Meldenummer 1721 14 003) zu den 13,7 Mrd. Euro Produktionswert des Wirtschaftszweiges 18.1 hinzu, erreicht man einen Wirtschaftszweig übergreifenden Produktionswert von 15,7 Mrd. Euro für eine Definition der Druckindustrie, die unserer Meinung nach präziser ist.

Die statistische Erfassung des Marktsegments Etikettendruck ist insofern interessant, als sie bis einschließlich 2018 unter den folgenden Meldenummern stattfand:

  • 1729 11 200: Selbstklebeetiketten, bedruckt
  • 1729 11 400: Andere bedruckte Etiketten
  • 1729 11 600: Selbstklebeetiketten, nicht bedruckt
  • 1729 11 800: Andere nichtbedruckte Etiketten

 

Seit 2019 ist die Statistik der bedruckten Etiketten hingegen in den Wirtschaftszweig 18.1 umgezogen worden, und wird nunmehr unter den folgenden Meldenummern geführt:

  • 1812 15 909: Druck v. and. Etiketten, aus Papier oder Pappe
  • 1812 15 902: Druck v. Selbstklebeetiketten, bedr.,a.Papier/Pappe

 

In einer Abfrage des Wirtschaftszweiges 18.1 für 2019 sind bedruckte Etiketten also enthalten – in älteren Statistiken für die Jahre 2018 und vorher aber nicht.

Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen und um den maximalen Nutzen aus den in Deutschland reichlich verfügbaren statistischen Daten ziehen zu können, ist es notwendig, sich ausgiebig mit der Datenbasis, ihrer Erhebung und der resultierenden Struktur auseinanderzusetzen.

Apenberg & Partner definieren die Druckindustrie übrigens allgemein als „überall, wo mit den heute gängigen Methoden, Farbe auf einen Bedruckstoff aufgebracht wird“. Insofern sehen wir für das Produktionsvolumen der Druckindustrie in 2019 15,7 Mrd. Euro als die relevante Größe.

Kontakt: Dr. Johannes Warther

 

[i] Statistisches Bundesamt (Destatis), Produktionswert der Meldenummern 181110003 bis 181410500 nach dem Güterverzeichnis (9-Steller), Stand 29.07.20.

[ii] Statistisches Bundesamt (Destatis), Produktionswert der Meldenummern 181110003 bis 181410500 sowie der Meldenummer 1721 14 003 nach dem Güterverzeichnis (9-Steller), Stand 29.07.20

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